Mottooooooooooo!

Das waren noch Zeiten, als wir Frankfurter ein Motto hatten. Was gabs da aber auch schon dolle Sachen. Das schlagkräftigste war: „Einigkeit und Recht auf Gleichstellung“, das ja ursprünglich „Einigkeit und Recht auf Gleichheit“ hieß, aber abgesägt wurde, weil einige Community-MitgliederInnen daraus etwas fremdenfeindliches und nationalistisches zu basteln suchten, dafür sogar Prügeleien auf dem Aidshilfe-Sommerfest eingingen. Und: Welcher CSD kann denn schon eine Prügelei um das Motto sein eigen nennen?

Danach wurde es etwas ruhig, bis der (damals noch mit dem etwas sperrigen Namen agierende) Förderverein Zukunft Spenden e.V. sich eines Besseren besann und eins nach dem anderen förmlich raushaute.

„Eckstein, Eckstein, musst Du noch versteckt sein?“ war das erfolgreichste der erfolglosen. Sogar das Magazin (Achtung!) „Schwulissimo“, selbst kein Repräsentant origineller und schöner Namen, wählte uns zum schlechtesten Motto. Grund dafür war (nochmal Achtung!) der Hinweis, dass man sich heute ja nicht mehr zu verstecken brauche, als Schwuler oder Lesbe oder als Transgender oder Intersexuelle/r. Alles klar?

Noch heute werde ich auf dieses Motto angesprochen (selbstredend unter Aussparung jedweder Reflexion, ob es doch zutreffen könnte) und immer wieder bin ich dann doch etwas stolz darauf, denn wer kann von seinem Motto schon behaupten, dass man es drei Jahre später noch zitieren kann?

Als nächstes kam „Habemus Homo“. Der Papst wurde gerade gewählt – zugegeben die Mottofindung fand im Winter statt – und da dachten wir uns, es könnte doch mal ganz hübsch sein festzustellen, dass wir alles Menschen sind (oder haben) und dass die Kirche das in weiten Teilen noch nicht so sehe. Wer konnte denn ahnen, dass Franziskus ein derart wortliberaler Mensch sein und sogar den Schwulen einen Platz unter Gottes Himmel zusprechen würde (von Lesben, Trans- und Inter-Menschen sprach er nicht)?

Wir wären aber natürlich nicht in Deutschland oder ganz allgemein unter Bildungsbürgern, wenn man uns nicht sogleich auf die falsche Deklination hingewiesen hätte (leider habe ich schon wieder vergessen, wie es richtig hätte heißen müssen) – Einer drohte sogar, nicht auf den CSD zu kommen und war am CSD-Samstag dann doch sogar im Backstage zu sehen.

Ja, wir hätten es uns einfach machen können mit Motti wie „Alle sind eins!“, „Jetzt sofort alle Rechte für uns!“, „Nie wieder Diskriminierung!“, „Die Sonne scheint nur am Tage!“ oder ähnlichen Imperativen in ähnlichen Fassungen und Wortlauten. Haben wir aber nicht, und wir haben uns wirklich immer Mühe gegeben, das nicht zu tun.

Jetzt gönnen wir uns und allen anderen mal eine Mottopause, aber, um ehrlich zu sein, mir fehlt es schon wieder, das ganze Getue um ein Motto, eines, das niemand so recht mag, und deshalb noch so viele Jahre darüber sinniert und diskutiert! (jl)

Von | 2018-05-24T19:43:38+00:00 Juli 3rd, 2014|B_Allgemein|0 Kommentare

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