MainCSD – Die Liebe

Es ist Freitag Abend und ich fahre nach Köln zum BundesnetzwerktreffenBundesnetzwerktreffen – das hört sich schon an wie Ehevollzug. Die Deutsche Sprache fühlt sich manchmal an wie Neonlicht um drei Uhr morgens. Der Rosa Tisch gefiele mir da schon besser, denn das ist es doch, wofür wir stehen, was wir wollen, mit unseren CSDs. Die Liebe, das Miteinander. Und das ist rosa. Für mich wenigstens.

Freitag, 20:00 Uhr: Der Abend verläuft angenehm. Treffen mit den Kollegen der anderen CSDs, etwas netzwerken, wie man ja so sagt, und klüngeln. Dann wird gelästert und es werden Pläne geschmiedet. Berlin ist heute, also morgen, dran. Weil Berlin so kommerziell ist, und gierig, und verrückt, und überhaupt. Diese ganze Stonewall-Geschichte, da müsse man was machen, heißt es. Abwarten und Bier trinken und dann ins Bett für den morgigen Sitzungstag.

Samstag, 10:00 Uhr: Leider etwas verkatert und deshalb den ganzen Tag redefaul. Mit der Tram durch Köln zum Tagungsraum, verfahren, wieder zurück, andere Tram, 20 Minuten laufen, dann endlich im Hotel. Es wird eine Satzung durchgekaut. Ich weiß, das muss sein, weil man doch eine juristisch einwandfreie blablabla, und außerdem schlagkräftig, blublublu. Jedenfalls ganz schön langweilig für Menschen, die doch eigentlich die Liebe vermitteln wollen.Oder geht’s beim CSD, also beim Stonewall etwa nur um Politik? Ja, scheinbar, es geht nur um Gesetze, um Rechte, also um Politik eben, um Kampf gegen alle möglichen Gegner, und wenn sie, die Gegner nicht im Land sind, dann gehen wir eben nach Uganda oder nach Russland, oder nach China. Den Brüdern und Schwestern dort helfen. Ach was, helfen, selten hört man so viel Ego an einem Stück. Zeit zum Mittagessen.

Samstag 15:00 Uhr: Die Satzung ist durch, sie muss jetzt noch gegendert werden.Was für ein Glück ist die Satzung weiblich. Da ist das Gendern nicht so schlimm, die Herren sind verbal ja eh in der Überzahl. Ein Programmpunkt weniger (für die Männers nennen wir die Satzung einfach ¨Satz¨). Jetzt aber im Sauseschritt weiter im Programm. Die Beitragsordnung wird verschoben, man hetzt zum nächsten Höhepunkt, die „Berliner Rede“, nein, besser, die Berliner Powerpoint-Präsentation. Trommelwirbel. Eins vorweg: Ich mag die Kollegen, jeden einzelnen. Wir sind eben divers. Genau das, was wir von anderen wollen, ertragen wir selbst oft nicht. Verrückt.

Samstag 16:00 Uhr: Also fängt Berlin an, den Begriff Stonewall zu inszenieren. Ratlose Gesichter, denen man erklären will, was Stonewall war und ist und was das mit dem CSD zu tun hat. Das Ufo hebt langsam ab, doch es sitzt nur der Vorträger drin, die anderen starren ungläubig nach oben, schauen also die Präsentation an, dann spricht Obama (er sagt wohl irgendwas über Stonewall, und das hat dann grad gepasst, in die Präsentation von Stonewall) und man dreht sich um, um zu schauen, ob da vielleicht Gäste sind, die man nicht bemerkt hat, und denen Stonewall erklärt werden soll. Nein, man meint uns. Also lassen wir uns Stonewall erklären. Endlich vorbei. Die Idee ist natürlich gut. Keine Frage, Und nach der Liebe frage ich jetzt dann auch nicht mehr.

Samstag 17:00: Kurze Pause. Letzte Programmpunkte werden durchgewinkt und dann die Vereinssitzung. Man ist müde, komisch eigentlich, sollte man nicht hellwach, inspiriert und beflügelt sein, nach so einem Zusammentreffen? Ach so stimmt. die Liebe: Fehlanzeige.

Samstag 19:00 Uhr: Vorbei. Die Sitzung ist aus und wir gehen noch etwas essen und trinken. Alkohol, um runterzukommen, und das, obwohl man ja schon unten ist. Jetzt Entspannung, klönen, reden, lachen, Spaß haben, Ideen haben, also alles das, was doch auch so einer Sitzung gut getan hätte. Dann der Abschied, in den Armen liegen und es schade finden, dass es schon vorbei ist. Jetzt geht die CSD Saison los und wir freuen uns auf ein Wiedersehen. Da, jetzt ist sie doch noch eingekehrt. Die Liebe.

Abfahrt nach Frankfurt, spät angekommen, schön war’s, und ich hab natürlich vor allem eines für den nächsten CSD mitgenommen. Genau. Die.

(JL)

2018-05-24T19:47:04+00:00April 4th, 2014|B_Allgemein|0 Kommentare

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen