Community und so!

Jaja, was wären wir ohne die Community? Total wichtig. Gemeinschaft und so.

Ich komme ja auch, wenn es CSD ist, weil, also, weil, ja, weil, da gibt’s so viele lecker Jungs und Mädels, Und Musik auf ner großen Bühne, was zu trinken und was zu essen, achja, und die Politik, naja, die gibts auch. Wenn es ja spannend gemacht ist, feurig gewettert wird und gegen die blöden Homophoben geschrien wird, den Putin und die ganzen Blödmänner. da jubel ich mit. Na klar, Ehrensache. Und wenn sich dann noch jemand ins Zeug wirft und ein tolles Bild macht, auf dem der Putin dann mit Lippenstift und so. Wow, da empöre ich mich auch total gerne und like und teile das auch. Jawoll, empört euch!

Community, schon gut und wichtig!

Gut, wenn es dann auf dem CSD weniger spektakulär wird, Politiker befragt werden oder gar Kleinkunst gezeigt wird, jaaaa, da kann ich mich dann ja von der Parade erholen, kurz heimgehen und abends wiederkommen, wenn das Programm wieder losgeht, also das richtige Programm mit den Künstlern und den Dejays und, eben, den lecker Jungs und Mädels wieder, der Community eben.

Community find ich halt auch totaaaal wichtig!

Und dann gehts ja auch noch auf eine der vielen CSD Partys, richtig, wo wieder die lecker Jungs sind, und Mädels, und ich mich natürlich auch zeigen kann, wie lecker ich so bin. Dann pennen bis in die Puppen, weil mittags ja wieder eher so ein blödes Programm und wenig Jungs und Mädels zu kucken. Achso Politdiskussion und Kleinkunst unterstützen und anschauen? Gäähhn, da schau ich mir zuhause was im TV an. Auch gut. Neee, die sagen doch eh immer das gleiche. Das will ich dann auch nicht unterstützen. Aber wenn die dem Bouffier den Mund auf einem Foto mit rotem Lippenstift beschmieren und das dann hochladen auf Facebook und so, da like ich wieder und zeige, dass ich den auch total doof finde.

Community eben, da müssen wir doch zusammenhalten!

Ach, die Orga-Leute, die machen das schon alles. 100.000 Euro für nen CSD. Hört sich ja erstmal viel an, aber das sind ja Profis, gut, Ehrenamtler, die das alles in ihrer Freizeit machen, aber irgendwie hat das doch immer geklappt. Eigentlich brauchen die ja auch Unterstützung, also orgamäßig. Aber ich unterstütze ja: Ich like und ich teile auf Facebook und schreibe denen auch total oft, was mir nicht gefällt, am Bühnenprogramm und der Demoroute, und das der Stand in der Mitte mehr in die Mitte muss.

Das is ja auch wichtig für die.

Und die schreiben zwar, dass der CSD noch Geld braucht und lassen sich dann ja auch echt witzige Sachen einfallen, zum Beispiel Solibändchen und son Zeugs, dass sie dann im Shop verkaufen, aber, ganz ehrlich, meine 1,50, die machen den Bock doch auch nicht fett und die sehen auch so uncool aus. Da bestelle ich mal nix. Und Opening-Party find ich zwar auch klasse, aber nix für mich, sorry, aber liken und sharen tue ichs gerne mal. Macht doch nix, wenn die da organisieren und am End kein Schwein hingeht. Oder?

Dafür geh ich doch auf den CSD, weil Community, das find ich ja ganz wichtig. Ehrlich!

(jl)

Wir bleiben dabei: Multikulti ist gescheiter

Ja, mit der politischen Korrektheit ist es nicht einfach. Darf ich einen Mitmenschen ausländischer Herkunft Kanake nennen, Leute ins Arbeitslager wünschen, weil Sie anderer Meinung sind?

Vielleicht. Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, die wissen, dass ich nicht „nicht alles schlecht fand“ und sich meiner liberalen Gesinnung sicher sind. Oder wenn jedem klar ist, dass ich ein Kabarettist oder Satiriker bin, zumal dann, wenn ich auf der Bühne stehe und die Menschen zu mir kommen, um eben jenen Spiegel vorgehalten zu bekommen, in den Sie außerhalb satirischen Kabaretts nicht schauen.

Ansonsten ist es mit der politischen Korrektheit so ein Spiel mit dem Feuer. Erst einmal wird man immer Menschen finden, die die Unkorrektheit beklatschen. Weil Sie sich selbst niemals trauen würden, unkorrekt zu sein, finden sie diejenigen gut,die sich mal trauen zu sagen, was keiner sonst sagen mag. das ist dann aber schon nicht mehr politisch korrekt, sondern – politisch.

Genau die aber sind dann kein gutes Publikum mehr, wenn sich der Rest der Welt über die Tragweite solcher Unkorrektheiten bewusst wird und nicht mehr goutiert. Dann kann es eben passieren, dass die einstigen Claqueure umfallen und man plötzlich der „enfant terrible“ ist, dem man es im Unterschied zu vorher verübelt, dass er „terrible“ ist.

das Feld der kabarettistischen Satire, das muss man auch noch wissen, ist ein nicht leicht zu bespielendes, das man nur dann betreten sollte, wenn die Kunst so beherrscht wird, dass jeder weiß, um was es sich handelt. Gerhard Polt darf definitiv auf „Kanaken“ eindreschen. Man versteht sich.

Wenn die geäußerte Satire aber nicht mehr klar zugeordnet werden kann, dann ist es gut, zwischendurch einmal mehr als üblich mit den Augen zu zwinkern und zwischendurch deutlich zu machen, wo die wirklichen Standpunkte liegen.

Ansonsten läuft man Gefahr, eben die Unkorrektheiten zu nähren, die dann auch so gemeint sind, wie sie in die Welt gesetzt werden. Und das darf man dann wieder nicht!

PS: Entgegen aller Unkenrufe, dass Multikulti gescheitert sei, bleiben wir dabei, dass die einzige Chance, in einer respektvollen und liberalen Welt zu leben, die ist, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Diversität nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung empfunden wird. Dafür gehen wir das ganze Jahr über auf die Straße, reden mit Menschen, fördern Gemeinschaft und … organisieren den Christopher Street Day in Frankfurt am Main.

(JL)

MainCSD – Die Liebe

Es ist Freitag Abend und ich fahre nach Köln zum BundesnetzwerktreffenBundesnetzwerktreffen – das hört sich schon an wie Ehevollzug. Die Deutsche Sprache fühlt sich manchmal an wie Neonlicht um drei Uhr morgens. Der Rosa Tisch gefiele mir da schon besser, denn das ist es doch, wofür wir stehen, was wir wollen, mit unseren CSDs. Die Liebe, das Miteinander. Und das ist rosa. Für mich wenigstens.

Freitag, 20:00 Uhr: Der Abend verläuft angenehm. Treffen mit den Kollegen der anderen CSDs, etwas netzwerken, wie man ja so sagt, und klüngeln. Dann wird gelästert und es werden Pläne geschmiedet. Berlin ist heute, also morgen, dran. Weil Berlin so kommerziell ist, und gierig, und verrückt, und überhaupt. Diese ganze Stonewall-Geschichte, da müsse man was machen, heißt es. Abwarten und Bier trinken und dann ins Bett für den morgigen Sitzungstag.

Samstag, 10:00 Uhr: Leider etwas verkatert und deshalb den ganzen Tag redefaul. Mit der Tram durch Köln zum Tagungsraum, verfahren, wieder zurück, andere Tram, 20 Minuten laufen, dann endlich im Hotel. Es wird eine Satzung durchgekaut. Ich weiß, das muss sein, weil man doch eine juristisch einwandfreie blablabla, und außerdem schlagkräftig, blublublu. Jedenfalls ganz schön langweilig für Menschen, die doch eigentlich die Liebe vermitteln wollen.Oder geht’s beim CSD, also beim Stonewall etwa nur um Politik? Ja, scheinbar, es geht nur um Gesetze, um Rechte, also um Politik eben, um Kampf gegen alle möglichen Gegner, und wenn sie, die Gegner nicht im Land sind, dann gehen wir eben nach Uganda oder nach Russland, oder nach China. Den Brüdern und Schwestern dort helfen. Ach was, helfen, selten hört man so viel Ego an einem Stück. Zeit zum Mittagessen.

Samstag 15:00 Uhr: Die Satzung ist durch, sie muss jetzt noch gegendert werden.Was für ein Glück ist die Satzung weiblich. Da ist das Gendern nicht so schlimm, die Herren sind verbal ja eh in der Überzahl. Ein Programmpunkt weniger (für die Männers nennen wir die Satzung einfach ¨Satz¨). Jetzt aber im Sauseschritt weiter im Programm. Die Beitragsordnung wird verschoben, man hetzt zum nächsten Höhepunkt, die „Berliner Rede“, nein, besser, die Berliner Powerpoint-Präsentation. Trommelwirbel. Eins vorweg: Ich mag die Kollegen, jeden einzelnen. Wir sind eben divers. Genau das, was wir von anderen wollen, ertragen wir selbst oft nicht. Verrückt.

Samstag 16:00 Uhr: Also fängt Berlin an, den Begriff Stonewall zu inszenieren. Ratlose Gesichter, denen man erklären will, was Stonewall war und ist und was das mit dem CSD zu tun hat. Das Ufo hebt langsam ab, doch es sitzt nur der Vorträger drin, die anderen starren ungläubig nach oben, schauen also die Präsentation an, dann spricht Obama (er sagt wohl irgendwas über Stonewall, und das hat dann grad gepasst, in die Präsentation von Stonewall) und man dreht sich um, um zu schauen, ob da vielleicht Gäste sind, die man nicht bemerkt hat, und denen Stonewall erklärt werden soll. Nein, man meint uns. Also lassen wir uns Stonewall erklären. Endlich vorbei. Die Idee ist natürlich gut. Keine Frage, Und nach der Liebe frage ich jetzt dann auch nicht mehr.

Samstag 17:00: Kurze Pause. Letzte Programmpunkte werden durchgewinkt und dann die Vereinssitzung. Man ist müde, komisch eigentlich, sollte man nicht hellwach, inspiriert und beflügelt sein, nach so einem Zusammentreffen? Ach so stimmt. die Liebe: Fehlanzeige.

Samstag 19:00 Uhr: Vorbei. Die Sitzung ist aus und wir gehen noch etwas essen und trinken. Alkohol, um runterzukommen, und das, obwohl man ja schon unten ist. Jetzt Entspannung, klönen, reden, lachen, Spaß haben, Ideen haben, also alles das, was doch auch so einer Sitzung gut getan hätte. Dann der Abschied, in den Armen liegen und es schade finden, dass es schon vorbei ist. Jetzt geht die CSD Saison los und wir freuen uns auf ein Wiedersehen. Da, jetzt ist sie doch noch eingekehrt. Die Liebe.

Abfahrt nach Frankfurt, spät angekommen, schön war’s, und ich hab natürlich vor allem eines für den nächsten CSD mitgenommen. Genau. Die.

(JL)